Teil 2

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir unseren Stellplatz, na wo wohl??? Ja mitten im Nix an einer riesen Sanddüne. Hinter Quzina kurz vor Remlia. Und weil es hier toll ist, bleiben wir zwei Nächte am selben Platz. Das hatten wir bis jetzt noch nicht. Toll – Freude. Das bedeutet auch am nächsten Morgen ein paar Minuten länger schlafen, da kommt doch glatt so etwas wie Urlaubsfreude auf.

 

Aber nein, was muss ich beim vorabendlichem Briefing hören: Morgen ist Reifenwechseln angesagt. Puuuuhhhh

 

Reifenwechsel in der prallen Sonne. In der Sahara werden auch im März tagsüber mehr als 30 Grad erreicht.

 

Das ganze wirklichkeitsnah, also in der Sonne und mit Blaumann (alle -  auch die Girls: das macht Spaß, sagte da eine u. meinte das im Ernst u. ich dachte, dass muss ein Sonnenstich sein).

 

So ein Reifen wiegt zwischen 180 und 200kg.

 

Den ganzen Tag wurde gewechselt, erst der Vorderreifen, dann der Hinterreifen. Die Reservereifen mussten natürlich vom Fahrzeug runtergeholt werden und und und.

 

Na ja auch der Tag war dann irgendwann gelaufen. Dass wir nach Sonnenuntergang nicht mehr lange wach zu halten waren u. dass es auch an diesem Tag kein Mehr-Gänge Menü gab, brauche ich nicht zu erwähnen, oder? 

Auf meine Frage an Helen: "Was gibt es denn bei euch heute zu essen?",

erhielt ich mit einem vielsagendem Lächeln von ihr die Antwort: "Schnittchen !!"

 


Am Mittwoch d. 16.03.16 - inzwischen der 7. Tag der „Tour de l´Avenir“  - ist Serpentinenfahren angesagt. Eine ca. 15 m im Durchmesser enge Kurve wird in der Wüste abgesteckt.

 

Ziemlich eng für die dicken Brummer. Auch die Einparkmanöver erforderten höchste Konzentration.

                                                                                                                                       Ich will nicht mit Einzelheiten langweilen, aber wir wurden merklich jede Stunde besser. Was wir an diesen zwei Tagen gelernt haben, war toll u. wird sich in der weiteren Praxis hoffentlich bewähren.

 


Weiter geht es, wie schon seit Tagen, immer entlang der algerischen Grenze. Wir überqueren bei Tafraoute Sidi Ali Sydy´Ly den in der Regel trockenen See Lac Maider.

 

Fahren mit wenig Luft, Allrad und Untersetzung, Piste, Piste, Piste mal sandig mal steinig, wir nehmen es wie es kommt. Besonders gefährlich sind scharfe, spitze Steine, um die wir zentimetergenau rumfahren müssen. Fahrer und Beifahrer müssen dabei weit die Köpfe aus dem Fester halten.

 

Wir "fliegen" (mit 60km/h)  über diese Pisten, wo man mit einem normalen Fahrzeug, wenn überhaupt, nur Schritttempo fahren könnte.

 


Samstag, d. 19.03. kommen wir dann wieder auf eine Straße oder so etwas Ähnliches. In Tagounite tanken wir Diesel (Liter ca. 75 cent), bunkern Wasser, kaufen Obst, Gemüse und Brot und trennen uns bis zum Sonnenuntergang von den Anderen.

Von Hans und Nancy erhalten wir noch die Koordinaten von unserem heutigen Übernachtungsplatz. Endlich Freizeit.

 

 

Von Tagounite fahren wir dann alleine Richtung Mhamid, wo am Abend ein Volksfest stattfinden soll. Auf dem Weg dorthin halten wir spontan in einem Lehmdorf.

 

Hinter dem Ort befindet sich eine riesige Oase mit Palmen, Wiesen und Feldern. Wunderschön, wir haben so viel Wüste in den letzten Tagen gesehen, da freut uns das Grün besonders – eine echte Augenweide.

 

Dann gehen wir durch die fast menschleeren Gassen des Ortes, der erst langsam aus dem Mittagsschlaf erwacht u. machen scheu das eine oder andere Foto, schnell, dass es keiner sieht…dürfen wir das überhaupt?

In einer schattigen, dunklen, kühlen Gasse stehen zwei/drei Mädchen um die 20 Jahre alt vor ihrer Tür, die offen steht. Sie lachen uns freundlich an u. laden uns ein in ihr Haus. Wir gehen rein, dürfen sogar Fotos machen (aber die Mädchen durften nicht fotografiert werden) und trinken auf einem großen weichen Teppich Tee, den uns ihre Mutter kredenzt. Inzwischen sind es bestimmt 6 oder sieben Mädchen und die Mutter.  Wir unterhalten uns angeregt auf französisch, machen Fotos und haben Spaß miteinander.

 

Auf der Weiterfahrt halten wir noch kurz an einem Hotel mit Pool, wo wir ein bisschen ausruhen und uns erfrischen.

 

Am späten Nachmittag  erreichen wir Mhamid. Auch der Ort füllt sich innerhalb weniger Minuten mit Menschen, die aus allen Himmelrichtungen zum Volksfest strömen.

 

 

 

Viele kommen mit Eselskarren, oft sind sogar die Männer verschleiert und sehen so aus wie man sich Tuaregs vorstellt. In einem ausgetrockneten Flussbett findet ein Kamelrennen statt. Auf den Straßen sind Verkaufsstände aufgebaut mit alltäglichem Krimskrams, aber auch Gewürze, Honig u. Lederwaren werden angeboten. Hier unten im südlichen Marokko sind kaum noch Touristen, desto exotischer wirkt alles auf uns. Gerne wären wir noch den Abend geblieben, aber wir hatten keine Zeit.

 

Denn es wurde bald dunkel u. wir mussten Hans & Nancy noch finden, die einen Übernachtungsplatz in der Wüste bevorzugten. Also machten wir uns mit Hilfe des Navis auf die Suche, die Koordinaten hatten wir ja. Ungefähr 5-10 km hinter Mhamid fanden wir dann in letzter Minute (bevor es vollständig dunkel wurde) die Beiden in den Sanddünen. Das war der erste Teil des Workshops: navigieren in der Wüste.

Der zweite Teil folgte am nächsten Tag. Wir bekamen von Hans eine Liste mit Koordinaten, anhand dieser wir die richtigen Pisten finden mussten. 88 km Piste waren an diesem Tag geplant entlang des Erg Chegaga. Bei Geröll und Steinen können daraus stundenlange Fahrten werden.

Leider sieht man nicht wie hoch die Düne ist, aber sie war nicht von schlechten Eltern, puuuh das war aber knapp und als nächster ist Frank dran...

 und dann nahm Frank mit seinem Truck vor der  Kuppe der Sanddüne Anlauf

und und  - genau...

 

 

steckengeblieben - was stundenlanges Schaufeln für alle bedeutete. Zum Überfluss zog auch noch ein leichter Sandsturm auf. Super, endlich jede Menge Sand ;-

 

 

 

 

und der Rest wurde mit dem Bergeseil erledigt.

 

 

 

und weiter ging´s, der Sturm nahm zu

Nächste Übernachtung in traumhafter Umgebung mit Beduinenzelten in der Nähe. Dort stand am nächsten Tag der Workshop: „Befreien mit Sandblechen“ und „Sprengringreifenwechsel“ auf dem Programm.

Doch der Sandsturm frischt wieder massiv auf und wir entschließen uns nach dem Workshop weiterzufahren. Die Route verläuft über einen Teil der ehemaligen „Rallye Paris-Dakar“. Da der Sturm nicht nachlässt, entschließen wir uns, ganz in der Nähe der Piste zu übernachten.  Langsam zieht eine Kamelherde durch die unwirkliche Landschaft an unseren Fahrzeugen vorbei. Wir sind alle so eingesandet, dass wir aussehen wie panierte Schnitzel. Wenn man abends duscht, muss man sich 2 bis 3 mal einseifen, bevor man in den Genuss von Schaum kommt.

 


Am Mittwoch, den 23.03. geht es über den Salzsee Lac Iriki, der wie fast immer ausgetrocknet ist.

Hier kann Petra ihre Fahrkünste mit unserem 12-Tonner prüfen und endlich die 8 Gänge in den 2 Schaltgruppen u. die Untersetzung kennenlernen. 

 

 

Aber Achtung:  die Fahrt über einen trockenen Salzsee ist nicht ohne Risiko. Dunkle Stellen können einen Sumpf verbergen. Falls man nicht darauf achtet, kann ein Fahrzeug schnell in so einem Salzsumpf versinken u. ist nur sehr mühsam wieder freizulegen. Aber alles geht glatt, Petra heizt wie ein junger Gott und lässt eine mächtige Sand/Salz-Fontäne hinter sich aufwirbeln.

Hinter dem Lac Iriki wird es wieder steinig u. die Piste schlängelt sich immer enger werdend berghoch, bergrunter über einen Pass bis zu einem Kessel, der von wunderschönen Tafelbergen umgeben ist.

Hier übernachten wir zweimal, führen Fahrzeugkontrollen durch, sowie kleine Reparaturen, machen nochmals einen Sprengringreifenwechsel, diesmal am Boden und nicht auf der Achse und lernen den Einsatz von Kinetischen Bergeseilen und Bergegurte kennen.

 

 

Nancy hat leckere Lachs-Häppchen angerichtet und dazu gibt es die eine und die andere Flasche eisgekühlten Sekt. Wir haben ein paar Stunden zum Relaxen. Außerdem feiern wir Mimis 10. Geburtstag (Tochter von Frank und Helen) mit Kaffee und selbstgebackenen Kuchen.

Nachdem wir tagelang auf den Pisten an der algerischen Grenze unterwegs waren und am letzten Militärposten noch einmal unsere „Fiche“ abgegeben haben, erreichen wir wieder Asphaltstraße. Der Reifendruck wird wieder von 2-3 bar auf knapp 6 bar erhöht. Die Untersetzung wird ausgeschaltet und es geht im Sauseschritt  Nordwest Richtung „Hoher Atlas“ über Forum Zguid und Tazenakhit via Taliouine nach Abouz. Dort übernachten wir in einem schon etwas höher gelegenen Wald am Rande eines Stausees.

 


Am nächsten Tag geht es auf zunächst gut ausgebauter Straße (R203) Richtung Tizi-n Pass, der auf über 2000 Meter liegt. Allerdings wird die Straße einige Kilometer vor dem Pass immer schlechter und enger und wir kommen nur noch langsam voran. Immer wieder muss man wegen Gegenverkehr ausweichen. Hier können wir nun das Erlernte gleich in der Praxis anwenden. Gut, dass Hans soviel mit uns geübt hat.

 

Kurz vor dem Pass gibt es in einem Restaurant Pfefferminztee mit frischem Gebäck und wir können noch einmal die Aussicht nach Süden genießen.

Am Pass, wo noch Schneereste zu einer Schneeballschlacht einladen, sehen wir dann die tiefverschneiten Gipfel der drei- bis vier-tausender vor uns.

 

Weiter unten in der Nähe von Timmel,  an einem schön gelegenen Gebirgsbach, machen wir Mittagspause und haben zwei beduinische Schulkinder zu Gast, die uns auf der Karte genau zeigen, wo wir uns befinden.