So wie es die Karte unten zeigt war die Marokkotour geplant, tatsächlich endete sie aber in Marakesch (Marakesch wäre auf der Karte etwas nordwestl. von Ouarzazate)

Treffpunkt am Strand von Malaga
Treffpunkt am Strand von Malaga

Am Do.10.03. bekamen wir dann von Hans & Nancy die Koordinaten für unseren Treffpunkt in Málaga.

 

Gegen ca. 16h am gleichen Tag war es soweit, wir (d.h. Helen, Frank u. die Kid´s und ich) wurden von Hans & Nancy (die Veranstalter) am Strand von Málaga herzlich begrüßt. Nachdem auch P. , die mit dem Flieger kam, gegen 19 Uhr mit dem Taxi vom Airport eintraf, waren wir komplett.

 

 

Am Folgetag gegen 9 Uhr hatte Hans vor unserem MAN am Strand einen großen Bildschirm aufgebaut, um den weiteren Reiseverlauf vorzustellen und Fragen zu beantworten.

 

Da noch Zeit bis zur Abfahrt der Fähre war, sind wir noch schnell zum nahegelegen Carrefour-Supermarkt gedüst, um uns mit den wichtigsten Lebensmitteln für die nächsten Wochen einzudecken – Bier, Wein, Kaffee u. ein bisschen Wasser…  

 

Der Carrefour Supermarkt ist übrigens bekannt dafür, dass man mit dem Wohnmobil dort übernachten darf. Im Übrigen ist der Supermarkt riesig u. braucht sich nicht hinter einem großen US-amerikanischen Supermarkt verstecken. Man bekommt fast alles, aber wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual.

 

Unsere LKW´s auf der Fähre hinter uns die Panzer
Unsere LKW´s auf der Fähre hinter uns die Panzer

Von dort ging es dann zum Fährhafen. Schnell hatte Nancy die Formalitäten erledigt u. wir konnten bis zum Schiff vorrücken. Zwei/drei Panzer mussten noch verladen werden (Fotos natürlich verboten) u. dann durften wir die 3 Trucks rückwärts über die Rampe fahren. Ein paar Minuten später gegen 15:30 Uhr lief die Fähre aus. Das ging alles eins, zwei, drei. 

 

Gegen 20:30 Uhr sollten wir in der spanischen Enklave Melilla ankommen.  Die Zeit auf der Fähre wurde für den Workshop „Einführung in das Navi Montana u. arbeiten mit Basecamp" genutzt.

 

Natürlich war es dunkel, als wir auf dem afrikanischen Kontinent ausschifften und uns, zum Teil ohne spürbare Straßenbeleuchtung, mit unseren Trucks durch enge Straßen zu unserem 5-10 km entfernten Übernachtungsplatz aufmachten. Nicht nur Dunkelheit u. enge Straßen waren lästig, auch meinten einige „Halbstarke“ mit ihren Bikes immer wieder zwischen unsere Trucks fahren zu müssen. Nun - Hans kannte den Weg, so dass wir uns um die Navigation nicht kümmern mussten. Kurz vor der Grenze nach Marokko übernachteten wir dann, vorher noch ein kurzes Briefing für den nächsten Tag. Dies besagte, dass wir um 06:45 Uhr starten wollten. 06:45 Uhr war aber tatsächlich 05.45 Uhr L, denn wir hatten die Uhren nicht umgestellt, kleiner Trick von Hans…

 

„06:45 Uhr“ ging es dann also an die Grenze. Ich weiß nicht, ob wir es noch geschafft haben zu frühstücken; ich glaube nicht.

 

An der Grenze angekommen - ich hatte soeben das erste Behördenhäuschen auf der marokkanischen Seite hinter mir gelassen - sollte ich, nach Anweisung des Grenzers, scharf rechts in eine sehr enge Gasse fahren, die links u. rechts von hohen Begrenzungssteinen eingefasst wurde. Dass das nicht gut geht, wusste ich sofort. (Ich dachte nur du Torfkopf  in Richtung des Winkenden.) Einmal zurück, noch einmal vor und ich saß fest. Nix ging mehr… Na ja es würde den Rahmen sprengen, um zu beschreiben, was dann alles noch kam - ich lasse es an dieser Stelle.

 

Irgendwann „Stunden später“ als wir alle Stempel und Papiere zusammen hatten, ging es dann Richtung Boufra, 256 km entfernt von Melilla.

 

256 km Landstraße mit einem Affenzahn. Der Tacho des LKWs zeigte die meiste Zeit Höchstgeschwindigkeit an. Wir mit unserer Kiste sind zu 80-90% am Limit gefahren, dass ich das Bodenblech am Gaspedal nicht durchgetreten habe, wundert mich noch heute.

 

Die beiden anderen Trucks hatten mehr als 100 PS mehr unter Haube und hatten wohl noch Luft nach oben. Aber es war meiner Meinung so oder so viel zu schnell. Für unsere Guides wohl nicht, die leben seit ca. 10 Jahren in ihrem Wagen u. fahren diesen locker wie einen PKW, Hauptsache links u. rechts ist noch ein Zentimeter Platz. Ich war auf jeden Fall zu 100% konzentriert bei der Fahrt - Adrenalin pur über Stunden. Relativ schmale Straßen, der Mittelstreifen war der Luxus. Oft rechts keine weißen Begrenzungsstreifen. So etwas wie eine Befestigung am rechten Rand war auch nur äußerst selten.

 

Ortsdurchfahrt
Ortsdurchfahrt

Wehe dem Kameltreiber oder der Muselfrau, die nicht schnell genug von unser Spur kam. Gegenverkehr bedeutet in der Regel kein Problem, da hält man mit seinen 12-14 Tonnen einfach drauf. Es gilt das Recht des Stärkeren. Aber wenn einem dann doch einmal ein 18/24 bzw. 35 Tonner entgegen kam, hieß es Topkonzentration, Lenkrad mit beiden Händen ganz festhalten, aber locker genug bleiben, um im Notfall gegensteuern zu können. Verließ der rechte Hinterreifen den Asphalt, musste man blitzschnell reagieren. Jedenfalls wusste ich nun, bei den ersten (fast) Zusammentreffen mit entgegenkommenden LKW´s und Bussen, warum eine Ausrüstungsvoraussetzung für die Tour, zwei Ersatzspiegel waren. Ich habe ein Zusammenkrachen jedenfalls öfter einkalkuliert. Denn waren die Monster auf gleicher Höhe mit uns, hatte ich das Steuer nicht nur fester in den Händen, fuhr zu mindestens 50% mit den rechten Reifen auf Asphalt - nein, ich musste mich dabei beobachten, wie ich für Bruchteile von Sekunden die Augen zugekniffen habe.

 

Für mich ist es wesentlich entspannter auf einer deutschen Autobahn ein Tempo von 200 km/h über mehrere Stunden zu fahren, als das, was wir mit unseren Trucks Richtung Bouafra machten.

Erste Übernachtung in der Wüste
Erste Übernachtung in der Wüste

Als wir unseren Stellplatz in der Wüste nahe Bouafra eingenommen hatten, gab es das eine oder andere Gläschen Bier/Wein zum „wieder runterkommen“. Ein schnelles Abendessen u. ab in die Falle ( früh – kurz nach Sonnenuntergang). Wir waren einfach alle.

 

Auch mussten wir wieder fit für den nächsten Tag sein. Abfahrt um 9 Uhr (in Wirklichkeit jedoch 8 Uhr) d. h. mindestens 2 Stunden eher aufstehen: Waschen/duschen, Frühstück machen (Kaffee kochen, Brot aufbacken), frühstücken, abwaschen. Alles aufräumen, nichts darf rumliegen, alle Schlösser (ca. 20) sichern. Fahrzeugkontrolle und noch einiges mehr. 2 Stunden ist das Minimum.

 

An den Tagen, wo ich ohne Beifahrer unterwegs war, brauchte ich 3 Stunden bevor ich weiterfahren konnte u. ich bin nicht der Langsamste. Am nächsten Tag sind wir dann noch einmal 110 km weiter gefahren (also ca. 367 km  Landstraße) unter Straßen- u. verkehrstechnischen Verhältnissen wie am Vortag.  Irgendwo wurde Geld gezogen, getankt u. schnell Brot gekauft, quasi alles im Tiefflug. Die Landschaft war nicht besonders auffällig, so dass ich mich auf die Rallye konzentrieren konnte.

 

Ab „Source bleue de Meski“ wurde es richtig schön, eine riesige längs gerichtete tiefer gelegen grüne Oase.

 

Am Ende des Nachmittags nach dem wir auch Erfoud links liegen gelassen haben, erreichten wir die riesigen roten Dünenfelder namens „Erg Chebbi“. Der Workshop „Reifendruck“ wird durchgeführt. Auch das genauer zu erklären, würde zu weiteren Seiten führen (bin ja kein Schriftseller) nur so viel: Für solche extreme Touren braucht man extreme Reifen u. bei denen kann man die Luft ablassen, was dazu führt, dass man seine Karre (wenn man fahren kann) durch Sandfelder fahren kann. Natürlich mit Allrad und Untersetzung und und

Wir übernachteten in riesigen, traumhaften roten Dünenfeldern.

Am nächsten Morgen wird natürlich noch früher aufgestanden u. die höchste Düne in der Nähe bestiegen (ächtz), um den Sonnenaufgang zu erleben.

 

Nach dem Frühstück zack, zack….ist der Workshop: „Präzisionsfahren u. manövrieren“ angesagt. Die Karre muss zentimetergenau über den Parcours gebracht werden. Das geht nur mit Beifahrer, der auch seinen Kopf ganz weit aus dem Fenster halten muss. Die Anweisungen des Beifahrers lauten dann in etwa: Hinten 2cm – vorne 3cm (bis zum Abgrund) usw.

 

Vorwärtsfahren war dann irgendwann Kinder Kram, aber dann, das Gleiche rückwärts über fast 100 Meter…oh Mann.

 

Habe ich schon gesagt, dass die abgesteckte Strecke immer enger wurde?!

Es wird so lange geübt bis Hans & Nancy zufrieden sind u. das hat gedauert, denn die Beiden haben dies früher mit ihrem Truck als Sport betrieben. Diese Motorsportart für LKW´s nennt man TRUCK TRIAL.

 

 

Irgendwann am Nachmittag ist es soweit, Hans ist zufrieden u. wir fahren weiter östlich des Erg Chebbi durch weiche Sandfelder Richtung Adrouine.


Aber bevor wir unser Übernachtungsziel an einem einsamen roten Brunnen erreichen, fährt sich Frank oder war es Helen mit dem 14-tonner-MAN im losen Sand mitten in der Wüste fest.

 

Und was jetzt????

 

Klar, alle Spaten, Schüppen usw. raus u. es wird 2 Stunden in der prallen Sonnen bei ca. 30 Grad in voller Montur geschaufelt. Die Kleinen, wie P., haben das zweifelhafte Vergnügen unter dem LKW, wo sich z. B. das Zwischengetriebe, Achsen etc. befinden, zu buddeln – Urlaub sieht anders aus…. Dafür benötigen wir nun nicht mehr den Workshop, den haben wir ja hiermit vorgezogen.

 

Hier saß der MAN von Helen  & Frank fest
Hier saß der MAN von Helen & Frank fest

Nach (vielen gefühlten) Stunden  buddeln, weiterem Luftablassen bis auf 1,5 Bar runter und Einlegen aller Sperren, kommt die Karre endlich frei und wir können weiter.

 

Frank - bitte nicht noch einmal festfahren, bitte nicht heute….

 

Problemlos erreichen wir unseren Übernachtungsplatz. Es folgt the same procedure as every day: sundowner auch gerne zwei bis drei, schnelles Abendessen in der Wüste (sobald die Sonne weg ist wird es bekanntlich ziemlich kalt). Und  früh sinken wir in unsere Kojen. Dass es morgens fast immer früh weiter ging, werde ich ab jetzt nicht mehr erwähnen :-(

 

 


Also es ging weiter nach Merzouga, ein schöner, sauberer, kleiner Ort, wie ich fand, mit passabler Infrastruktur. Schöne Oase hinter der ersten Häuserreihe, inklusive Palmen, Teich, Gemüsefelder u. alles, wie man sich das so vorstellt. Hier wären wir gerne eine Weile geblieben, aber wir kauften nur Brot und Gemüse, schossen wie wild (oder wie Japaner) schnell die wichtigsten Fotos. 

 

Dann schnell weiter, die nächsten Workshops in der Sahara warteten auf uns.